Ich mache weiter… Aber vorsichtiger….

Nachdem ich letztes Mal über meine Gedanken zu meiner Sicherheit hier schrieb, nun mein Update.

Ich führte zahlreiche Gespräche mit Bekannten und besuchte auch die Polizei von Donsol.

Die Bevölkerung, die seit Jahrzehnten hier mit der NPA (New People Army) lebt, sieht das Ganze sehr gelassen. Böse gesagt, hatten die meisten nur ein müdes Lächeln für mich, als ich mit ihnen über meine Sorgen sprach.

Zumindest aber Jonathan, mein engster Vertrauter hier, erzählte mir von seiner eigenen Geschichte vor nicht allzu langer Zeit. Er wurde einmal in einem abgelegenen Dorf für einen getarnten Polizisten gehalten und mehrere Stunden von NPA-Leuten festgehalten und verhört. Also so ganz grundlos sind meine Sorgen nicht.

Meine Hoffnung lagen denn auf einem Gespräch mit der lokalen Polizei. Das fand gestern statt. Die Chefin Mam Tsip (Mam Chief) Elesa De Leon Paje (im Bild) selbst nahm sich die Zeit. Als Anlass nahm ich diesen Post der Polizei auf Facebook, wonach es Warnungen gäbe, dass Terroristen Tanklastwagen als Waffe benutzen könnten.

Post auf Facebook der Polizei in Donsol der vor Terrorattacken mit Tanklastwagen warnt. Wie sich herausstellte, unglücklich formuliert

Das Gespräch war interessant und sehr offen. In Bezug auf den Facebookpost beruhigte mich Mam Tsip. Es lägen keine konkreten Warnungen vor, die Gespräche mit den Tankstellen seien auf Befehl “von oben” geführt worden. Offenbar im ganzen Land, um die Bevölkerung zu mehr Vorsicht aufzurufen. Die Formulierung sei wohl nicht gerade optimal gewesen. Ich konnte es mir nicht verkneifen zu bemerken, dass solche Posts auch von potentiellen Touristen gelesen werden….

Mam Tsip empfahl mir jedoch in aller Deutlichkeit, Reisen in die abgelegenen Dörfer hier in Donsol zu unterlassen. Nicht einmal die Polizei ginge momentan dahin, die Polizeigewalt in diesen Gegenden obliege der Armee.

Solange ich mich jedoch hier im eher “urbanen” Donsol aufhalte, sollte ich sicher sein. Die NPA würde sich gut überlegen, hier eine Dummheit zu machen. Der Tourismus sei für die Bevölkerung in der Gegend zu wichtig und mit einer Attacke würde die NPA jeglichen Rückhalt in der Bevölkerung verlieren.

Diese Aussage kann ich gut nachvollziehen. Es war eine Bestätigung meiner Gedanken, die ich schon vor diesem Gespräch hatte. Die NPA würde sich ihre Pfründe für die Eintreibung von Steuern selbst entziehen, wenn hier der Tourismus zusammenbrechen würde.

Nachdem ich über all das geschlafen hatte, entschloss ich mich, hier zu bleiben. Jedoch mit einer Änderung meiner Verhaltensweise.

  • Ich werde weiterhin die Situation aufmerksam verfolgen und laufend meine Schlüsse ziehen.
  • Auf Reisen in abgelegene Dörfer verzichte ich zur Zeit. Es sei denn, ich gehe da mit einer Gruppe von Leuten hin. Das wird zwar meinen Aktionsradius einschränken, da ich mehrheitlich in genau diesen Dörfern tätig bin, um potentielle Unternehmensgründer zu finden.
  • Die diversen Projekte in Tongdol (Bibliothek, Computer) werde ich weiterführen, jedoch eher aus der Ferne. Von Reisen dahin hat mir Mom Tsip dringend abgeraten. Falls ich hingehe, werde ich nur in Begleitung von mehreren Personen dahin reisen.
  • Ich werde mich daher vorderhand auf meine Community-Projekte konzentrieren und den Bereich “Alleinstehende Mütter gründen ihr kleines Geschäft” lediglich auf Sparflamme führen.

Ich merkte bei meinem letzten Post, dass etliche von Euch LeserInnen Fragen habt, die Ihr aber nie gestellt habt. Hast Du Fragen? Ziere Dich nicht. Ich bin dazu da, diese zu beantworten. Danke.

Foto: Offizielles Polizeifoto der Polizei in Donsol während meinem Gespräch mit Mom Tsip. Hier wird alles fotografiert und gepostet. Ich finde, die Öffentlichkeitsarbeit der Polizei ein wenig übertrieben….

 

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4 Comments

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  3. Schade, schade. Die Sicherheit auf den Philippinen ist hier in Hong Kong auch ein Thema. Selbst Filipinas (die zahlreichen Domestic Helper in Hong Kong) haben mir von Urlaub abgeraten. Und ich solle Manila meiden. Andere wiederum halten dies für absoluten Quatsch. Sei nicht unsicherer als zuvor.

    Die Hong Kong Locals selber meiden jedoch die Philippinen – es gab scheinbar vor x-jahren einmal einen Zwischenfall. Europäer empfehlen mir jedoch die Philippinen gerade mehrfach. Ehja, kann sein, dass wir da auch mal geschäftlich hin dürfen, in die eine oder andere Fabrik von uns. Dann werden wir sowieso eskortiert.

    Stay safe!

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