Will ich hierbleiben?

Hier ein Update zu diesem Artikel “Ich mache weiter”


Ich möchte in diesem Blog keine philippinische Politik betreiben. Und dennoch kann ich sie nicht einfach ignorieren. Zweimal üerlegte ich mir, ob ich hier meine Projekte noch weitertreiben soll.

Der Präsident und sein Drogenkrieg

Erstmals überlegt ich mir einen weiteren Einsatz, als Rodrigo Duterte zum Präsidenten gewählt wurde und seinen Drogenkrieg begann. Liegt das im Einklang mit den Menschenrechten? Will ich Menschen unterstützen, die so einen Präsidenten lieben (sein Unterstützung in repräsentativen Umfragen liegt bei rund 80%)? Kann dieser Krieg auch mir gefährlich werden? Schliesslich hatte ich selbst erlebt, bei meinen Geschäftsreisen hier in die Philippinen, wie korrupt die Polizei ist und viele darauf aus sind, von Touristen Geld zu erpressen.

Nun, die letzte Frage verneine ich mal. Donsol ist diesbezüglich recht sicher. Ich treibe mich schliesslich auch nicht mit zwiespältigen Personen herum und Donsol ist nicht Manila.

Die Philippinen sind eine vergleichbar junge Demokratie. Davon und von Menschenrechten haben die armen Menschen bisher kaum profitiert. Zu gross war die Korruption vergangener Regierungen. Dass die Leute nun auf einen setzen, der nicht zur bisherigen Elite gehört, ist irgendwie verständlich. Und ganz alles macht er ja nicht schlecht, er hat viele Gesetze erlassen, die Armen helfen oder auch der LGTB-Community.

Also dableiben und weiter arbeiten und zwischendurch mit den Menschen rund um mich auch über Menschenrechte sprechen.

Das Kriegsrecht in Mindanao

Der zweite Anlass, meinen Einsatz hier zu überdenken war, als Duterte das Kriegsrecht in Mindanao aussprach. Wirtd er die Situation nutzen, um das Kriegsrecht auf das ganze Land auszudehmen? Wird er ein zweiter Marcos, sprich Diktator? Wie würde das Leben sein unter Kriegsrecht?

Es gab verschiedene Situationen, die es ihm erlaubt hätten, das Kriegsrecht auf das ganze Land auszudehnen. Er unterliess es. Und bezüglich des Kriegssrechts in Mindanao hat das Parlament und das oberste Gericht den Segen gegeben. Ob es gerechtfertigt ist oder nicht, ist nicht meine Aufgabe zu beurteilen. Ich weiss nur, dass dort wirklich Krieg herrscht. Nein, kein Religionskrieg. Das ist nur ein Deckmantel. Christen wie Moslems wurden von den Terroristen getötet. Christen wie Moslems wiederum helfen sich gegenseitig.

Ich kam zum Schluss, hierzubleiben. Und ab und zu mit Menschen über Werte einer Demokratie zu sprechen. Erleichtert hat mir dieser Entscheid, dass meine besten Freunde hier keine Fans des Präsidenten sind.

Nun überlege ich mir zum dritten Mal, ob ich hierbleiben soll.

Die New People Army

Die NPA ist der bewaffnete Flügel der kommunistischen Partei hier in den Philippinen. War die Gruppe mal recht gross, man sprach 1980 von über 26’000 bis sogar 40’000 Mitgliedern, reduzierte sich ihre Grösse. Heute dürfte die Gruppe 3’000-5’000 Mitglieder zählen, je nach Quelle. Sie selbst sehen sich als Robin Hoods der armen Leute, obschon sie sich heute mit “Steuern” von Geschäftsleuten finanzieren. Die USA und die EU bezeichnen sie als Terrorgruppe, nicht jedoch die Philippinen. Hier wurden sie 2011 von dieser Liste gestrichen. Man startete sogar Friedensgespräche. Diese wurden nun von Duterte gestoppt, dann wieder begonnen und nun wieder gestoppt.

In letzter Zeit häuften sich die Scharmützel wieder. Schon 2015/16, als ich mein Programm auch in Gubat startete, gab es dort Angriffe auf Polizei- und Armeeposten mit Toten. Die letzten beiden Wochen sahen aber eine deutliche Eskalation.

Es begann mit der Tötung von zwei Anführern in Gubat. Die NPA behauptete, dass diese beiden ermordet wurden und nicht im Gefecht getötet worden sind. Das wäre eine Verletzung der Genfer Konventionen. Bei diesem Angriff der Armee kamen zudem zwei Zivilisten um. Und das ist für mich eine neue Dimension. Seit Bestehen der NPA wurden über 40’000 Menschen getötet. Jedoch sehr selten Zivilisten und noch nie, während ich in den Philippinen war. Und noch nie ein Ausländer (soweit ich das nachvollziehen kann).

Die NPA antwortete auf diesen Angriff mit mehreren Angriffen ihrerseits, vorallem hier in Bicol, wo die NPA recht stark ist. Ein Angriff fand in Gubat statt. Rundum in Bicol gab es verschiedene Angriffe. In Cantanduanes, nochmals in Gubat, in Camarines Sur, es scheint zur Zeit nicht aufzuhören.

Diese Woche fuhr ich nach Sorsogon City. Tags darauf las ich, dass die NPA am Vorabend zwei Armeecamps mit Granaten beschoss. Praktisch mitten in der Stadt. Auch das eine neue Situation für mich. Bisher fanden die Gefechte mehrheitlich in abgelegenen Dörfern statt.

Ich bin mir noch nicht sicher, was ich tue. Ich habe meine Reisen in abgelegene Dörfer massiv eingeschränkt. Ich vermeide, mich zu lange in der Nähe von Armee- oder Polizeistationen aufzuhalten. Aber die NPA legt nun auch Tretminen. Zwar solche, die nicht automatisch explodieren, sondern manuell ausgelöst werden müssen. Aber wer weiss das schon so genau….

Nadine Jaun (Link zum Twitterprofil) wollte mich hier besuchen und Fotos machen, um in Bern eine Ausstellung zu veranstalten, Fotos zu verkaufen und den Erlös an mein Projekt zu spenden. Ich riet ihr davon ab, jetzt zu kommen. Um schöne Landschaftsbilder zu schiessen, müssten wir aufs Land, in die Hügel. Zum Beispiel nach Jovellar, wo ich mal einen zauberhaften unterirdischen Fluss besuchte. Ich würde mit ihr wohl auch in den Süden der Provinz Sorsogon, wo es traumhafte Strände gibt. Genau da aber ist die NPA und ich kann mir nicht erlauben, dass ihr etwas passiert.

Nun, ich werde die nächsten Tage sehr aufmerksam die Nachrichten verfolgen und mir meine Gedanken dazu machen. Ihr werdet wieder von mir lesen.

Nach diesen eher traurigen Nachrichten hier aus Donsol kann ich als Kompensation nur empfehlen, Nadines Website zu besuchen. Wunderbare Fotos: Jana’s-World-Of-Life. Schade mussten wir die Umsetzung dieser tollen Idee für dieses Jahr absagen. Aber wir versuchen einen neuen Anlauf nächstes Jahr….

Buldquelle: Wikipedia, Erstellt durch die Regierung

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