Gerold Schlegel aus der Schweiz bei #wyssion

Mitte Dezember ’16 bis Anfangs Januar ’17 besuchte mich Gerold Schlegel. Ich durfte mit ihme eine spannende Zeit erleben. Hier sein Bericht über das Leben hier, mein Projekt, unsere Zusammenarbeit für sein Geschäft, seine Erfahrungen und Lehren daraus. Danke, Gerold.


Erlebt – Erfahren – Gelernt

Ich unterstütze das Projekt von Jürg Wyss. Was hat mich dazu gebracht? Wie komme ich dazu, meine freie Zeit, sprich Weihnachts-, Jahreswechselferien auf den Philippinen in Donsol zu verbringen? Was will ich mit diesem Bericht erreichen d.h. bewirken?

Ich bin via Twitter auf adwyse sprich Jürg Wyss gestossen. Da hat so ein verrückter Kerl via Twitter 2015 aufgerufen Geld zu spenden für seine Projektidee auf den Philippinen an 2 Orten. Ich verfolgte das Ganze mit Neugier wie bangem Hoffen. Ich weiss selbst wie schwer es ist, etwas Neues auf die Beine zu stellen das quer gegen die Meinung der meisten Experten steht:

  • Keine anerkannte Organisation d.h. ich kann es steuerlich nicht absetzen, es sei denn, der Veranlagungsbeamte reizt sein Verständnis und seinen Bereich aus.
  • Privatperson, die ich nicht kenne auf sein Privates Konto Geld transferieren oder via Crowdfunding spenden – Missbrauch
  • Region und Land unbekannt und kein Bezug, da ich selbst das südliche Afrika liebe
  • Geldspenden ist öfters wie unerwartet mit Missbrauch verbunden

Ich habe alle Argumente der Vernunft und Experten Aussen vorgelassen und auf meinen Bauch gehört. Von da kam grünes Licht. Also habe ich immer wieder Geld gespendet, sobald es gestockt hat oder in einen Grenzbereich fallen sollte. Den Rest kennen die meisten. Es hat geklappt.

In den folgenden Berichten und Beiträgen von Jürg habe ich die Schwierigkeiten, Rück­schläge und Hindernisse mitbekommen. 2016, bevor Jürg definitiv abreiste, habe ich beschlos­sen ihn zu besuchen. Dazwischen lagen 4 persönliche Treffen. In unterschiedlicher Zusammensetzung und Form. Bei mir zu Hause, in Bern Twitter Treffen, in Schaffhausen als Stadtführer und an Ostern 2016 auf dem Weg nach Tschechien das letzte Mal.

Im Sommer 2016 habe ich meine Ferien in die Philippinen gebucht und wollte einfach wissen: Wie macht er das vor Ort? Den Blog – gestehe ich – habe ich eher zu wenig als zu viel gelesen. So zogen die Wochen und Monate ins Land und mein Abreisetermin kam schneller als erwartet.

Ich habe Jürg gefragt, was er brauche. Er meinte, Pflanzen- Samen würden ihm helfen. So habe ich einen Grosseinkauf alter Samen gemacht. Via Skype nochmal gefragt ob ich was mitbringen soll, seine Antwort: Du bist mehr als genug. Ich gestehe dabei, der Käse wie die Belper Knolle gingen völlig vergessen. Ich bin ohne Käse bei Jürg eingeflogen. Das ist schon ziemlich unverfroren, wenn du weisst wie er diese Sehnsucht nach Käse pflegt.

Dafür habe ich, bevor ich abflog nochmal meine Kasse geplündert und einen rechten Happen transferiert. Es war klar:  Wenn ich in Donsol ankäme, würde ich mehrheitlich die Zeit nutzen, mein Geschäftsmodell anzupassen. Mich mehr mit mir selbst, Jürg, seinen Projekten und den dortigen Menschen auseinandersetzen. Es war ebenso klar, dass ich mich in Ruhe und Gelassenheit üben würde.

Die folgenden Zeilen sind Erlebnisse wie Erfahrungen die ich gemacht habe. Sie sollen verführen zu Spenden, Jürg zu besuchen oder selbst aktiv zu werden als Berater. Das Lebensmodell ist jedem Senior zu empfehlen, der nützlich bleiben will.

Die Philippinen und ich

An- wie Rückreise sind geprägt von Zwischenfällen der anderen Art. Es hat sich vermeintlich alles Glück, das mich die letzten 30 Jahre auf Reisen begleitet hat, gegen mich verschwo­ren. Ganze 4 ½ Tage dauert der „Spass“ anstelle knapp 2 Tage. Was ist alles passiert:

  • Hongkong 17h und 9h Zwangsaufenthalt Hin- und Rückflug
  • Anschlussflüge verpasst oder kurzfristig abgesagt
  • Technische Probleme zwingen zur Rückkehr (Hongkong) «Kabinendruck k.o.»
  • Unterkunft suchen morgens 1-4 Uhr Manila
  • Warte-, Verhandlungszeit Rückflug, Unterkunft, Übergepäck, Rückerstattung
  • Fluggesellschaft CEBU Pacific fördert Bluthochdruck wie Geduld

Jürg holt mich am Flughafen ab. Er ist nicht zu übersehen. Grösse hat auch Vorteile. Es regnet. Organisieren uns ein Tricyle und weiter geht’s zum Jeepney ab nach Donsol.

Tricyle sind Motorräder 125-180 ccm und Seitenwagen. Alles gedeckt und gegen Regen, ein Vorhang auf der Seite. Jeepney sind grosse Fahrzeuge, der Bus des kleinen Mannes. Es passen locker 30 Personen rein, farbig wie ideenreich gestaltet. Alles findet Platz: Kühlschrank, Reis, Fisch, Hühner etc. das Dach wird zusätzlich für Gepäck und Personen genutzt. Die Anreise kurzweilig, lustig, spannende wie neue Ausblicke. Das Tempo des Jeepney ungewohnt schnell, meint Jürg, doch für mich ist es einfach eine langsam den Berg hochtuckernde lahme Ente. Der saloppe Umgang mit Klimaanlage und Kälte hat dem einheimischen Profi (Jürg) eine Erkältung eingebrockt, vor der er mich dringendst gewarnt hat.

Bei der Ankunft in Donsol im Juliana werden mir viele Menschen vorgestellt. Der Bezug meines Zimmers erledigt sich innert 30 Min., Gepäck rein, kurz ausräumen, duschen und gleich wieder raus. Es gibt grosses Hallo im Juliana, Karaoke, Bier, Billard und nächtliche Diskussionen am Ende bei Jürg im Garten bis um 02 00 Uhr. Ich schlafe anschliessend fast 12h durch.

Meine Unterkunft im Victoria’s B+B ist klein wie fein. Sauber, praktisch mit WC und Dusche. Wenn es Strom hat sogar mit Ventilator. Mit integrierter Baustelle, da der Frühstücksraum oder das Wohnzimmer der Gäste gebaut wird. Für mich war die Goa Party im Garten vor meinem Zimmer, die bis morgens um 3 Uhr dauerte, das grössere Übel. Das war als wir Fischen gingen um 4 00 Uhr in der früh. Unterhalte mich öfters d.h. täglich mit Angela einem 5-jährigen Mädchen. Sie will alles wissen und zeigt mir immer wieder neue Spielsachen, Königinnen, ihren Opa, Gärtner. Das Frühstück ist kurzweilig. Gewöhnungsbedürftig. Es gibt meistens etwas Reis, mit gebratenem Ei und getrocknetem Fisch. Oder mal etwas Gemüse, ganz wenig. Kaffee ist fertiglöslich mit Zucker und Milchpulver. Der Tee stark parfümiert. Dazu die Papaya die ich täglich aus dem Garten kriege. Am Familientisch ist Haushälterin, Mutter sowie der Hausfreund, der alles flickt.

Die ersten Tage schlafe ich mit Unterbrüchen 11-13h. Zaghafte Ausflüge auf den Markt, Velofahren, in Ressorts Picknick Party feiern die Freunde von Jürg organisieren. Der Organisator selber ist abwesend. Die anwesenden Menschen 15-25 Jahre jünger. Viel Lebensfreude. Der Glaube auf den Philippinen mit katholischer Kirche sowie diverser Arten Freikirchen sind zentral. Begegnet mir immer wieder. Ich wurde Katholisch erzogen nach alter Schule, deshalb heute Konfessionslos. Ich kenne die Rituale und anderes mehr.

Wie komme ich jetzt von der Picknick Party auf die Kirche? Lebensfreude und Moral. Themen, die mich beschäftigen. Da sie oft verknüpft werden; fälschlicherweise. Es braucht Genuss wie Leistung. Arbeit wie Spass.

Auf den Philippinen kriege ich mit, dass sich Schwule zum Hampelmann machen. Sind witzig, schrill, laut und konstant in einer Theateraufführung und sie das Zentrum. Dieses Verhalten sowie der Effekt der Kirche zu diskriminieren fördern die Ablehnung. Die Äusserungen der Kirche sind hier bitterer Ernst. Pariser oder Gummis sind Unfug. Das führt dazu, dass HIV, wie Schwangerschaften stetig ansteigen. Kinderreiches Land.

Die Kinderschwanger­schaften und HIV sind ein grosses Problem auf den Philippinen und anders als der Präsident zu sagen pflegt, sind es nicht die Drogendealer oder Produzenten. Die Art der Nutzung von Facebook treibt sein Unwesen und fördert den Menschenhandel. Gleichzeitig verführt das Facebook-Angebot so wie es auf den Philippinen den Kunden zur Verfügung gestellt wird, zu Ausgaben die wenig finanzierbar sind. „Fake News“ sind nicht existent, denn für die Einheimischen Benutzer ist alles was auf Facebook steht richtig. So die Haltung vieler. Erst hier wird mir 1x mehr bewusst, wie das Internet und die Medien Sehnsüchte wecken und fördern zum Nachteil der Betroffenen. Ich habe mir angewöhnt mich bei Berichten zu fragen: Wem nützt der Artikel? Wem schadet er? Wer könnte das bezahlt haben? Welche Interessen stehen dahinter?

Kaum eingelebt und die Gegend gesehen inklusive der fliegenden Küche, ist der Taifun und dessen Entwicklung das Thema. Er soll so um Weihnachten auf Land treffen. Jürg macht sich Sorgen um meine Sicherheit und stellt zur Diskussion, ob wir ein Hotel in Legazpi beziehen wollen. Beton VERSUS Bambus. Vor der Abreise nach Legazpi, packt er alles in Plastikkisten, was heikel ist. Sprich wasserempfindlich. Die Kisten stellt er alle ins Badezimmer. Der einzige Raum mit Betonwänden. Er wird sich noch bedanken, dass er das so macht, da unklar ist was wo in welcher Kiste ist. Bei der Ankunft nach dem Taifun ist es stockdunkel, stromlos. Not Lampen, Bettwäsche etc. alles in den Kisten. Ich nehme alles, was wertvoll ist in meiner Reisetasche mit. Das Gewicht und Strapazen machen der Tasche zu schaffen. Zaldy wird es später poppig nähen d.h. mit farbigem Faden.

Beim Umzug in die Stadt ins Hotel gleich das eigene WiFi und Schachspiel mitgenommen. Ich werde wieder spielen, seit über 15 Jahren das erste Mal. Was hat es gebracht? Hohen Gefühlswert von Frust, Hilflosigkeit wie Wut über mich selbst. Ich lerne langsam geduldiger zu werden. Schlage trotz der vielen Übung Jürg 3x. Jürg, ganz Sportsmann meint, dass er einfach gut spiele und nach so langer Zeit es üblich sei, Figuren zu übersehen. Meine Schwierigkeit ist, während dem Spiel von einer Strategie auf die andere zu wechseln. Öfters mir selbst im Weg stehe, da ich meine Mannschaft wenig ins Spiel bringen kann. Wie im wirklichen Leben. Was hat das Leben mit Schachspiel zu tun? Extrem viel. Genauso wie Gespannfahren und Unternehmer das Leben widerspiegeln. Genauso wie das Warten auf einen Taifun. Es dreht sich immer wieder:

  • Lieber die „falsche“ Entscheidung treffen als keine
  • Intuition wie Reflex trainieren Entscheiden, Handeln, Erleben, dass es funktioniert
  • Risiken in Kauf nehmen um eine Erfahrung zu machen. Eigene Stärken erlebbar
  • Korrigieren ist einfacher, wenn es sich in Bewegung gesetzt hat

Gemessen wird die Stärke auf einer Skala 1-5. Je stärker umso höher die Nummer. Der Wetterbericht ist immer wieder unterschiedlich je nachdem, welche Wetterstation gefragt wird. Es gibt weltweit ca. 5, die präzise Angaben machen können. Der japanische Wetterdienst ist am verlässlichsten. Prognosen werden von Jürg laufend weiterentwickelt und neue eingeschätzt. Seine Aussage dazu wird sich als Punktlandung erweisen und das schon 3-4 Tage vorher.

Das innere Auge des Taifuns hat einen äusseren Ring erhalten. Ein Wetterphänomen das eher selten ist. Sobald dieser Ring vom Taifunauge integriert wird oder umgekehrt. Der Effekt ist, dass alle Energie quasi für diesen Prozess und Moment benötigt wird. So kam es, dass der Taifun ein erstes Mal mit Taifunstärke 4 anstelle 5 auf Land traf. Die Sorge bei Jürg steigt stündlich und war im Nachhinein berechtigt. Er meint gleicht zu Beginn, das werde ein heftiger. Die Geschwindigkeit einzuschätzen ist ein Thema für sich da einfach schwierig. Die Richtung das Andere. Wobei bei 500km Durchmesser viele Möglichkeiten lässt. Die Reisegeschwindigkeit des Taifunes ist ca. 15-20km/h. Dabei hat er Wind, der mit 220-250 Km/h konstant bläst, die Böen können schon mal 300-350 km/h annehmen. Ich träume am Abend im Hotel davon, dass mich eine Glasscherbe verletzt und ich verblute. Meine Unruhe ist derart gross, dass ich aufstehe und alle freien Polster (Bett, Sofa, Stuhl) des Zimmers inklusive nicht benötigter Kissen vor dem Fenster und auf dem Bett als Schutzwall deponiere. Schräg doch nützlich, ich kann weiterschlafen.

Die Gespräche, die Jürg und ich führen sind anstrengend. Sei es, wenn es sich um Twitter handelt, den Canvas Businessplan (A3 Seite mit 9 Felder = TOP), Value Proposition (Kundenutzen…), Geschäftsmodell GSAG, Lebensphilosophie, Nutzung Facebook elektronische Medien, Homepagegestaltung, Lebensgeschichten, e-startUP, Hausbau, Beziehungen, Politik, Religion und anderes mehr. Zwei harte Köpfe oder ist es Sturheit? Sie haben sich gefunden. Gegenseitige Achtung wie Respekt, die Mischung von Nähe und Distanz und beidseitige(n) Lebens-/Reiserfahrungen machen gelassen. Es gibt Themen die gehen so nahe, dass der Reflex der Ablehnung omnipotent erscheint. Das beidseitige Zutrauen, die Gelassenheit und das reduzierte Leben auf das Wesentliche helfen enorm. Vermute, nein bin überzeugt diese ständigen Ablenkungen zu Hause führen dazu, dass ich nur einen Teil des Gesagten und dessen Wirkung mitbekomme

Dann die regelmässig wiederkehrende Geschichte des Fahrrades. Jürg verwendet dieses Bild um mir darzulegen wo ich stehe. Ich gleich im Detail sprich Schaltung, Gliedstärke der Kette und ähnliches. Anstelle mal auf das Fahrrad zu schauen und den Nutzen, die Wirkung zu beschreiben. Ich gebe keine Antwort auf die Fragen, die gestellt werden und antworte auf das, was wenig gefragt ist. Wer kennt das nicht?

Der Arbeitstag in denen wir gemeinsam spontan Begriffe wie: gschaffig, gschalet, gschliffe, gschmatz, gschwellti, gschmorts, gschiblets, gschwof, gschärmiziere, gschnuder, gschmäus, gschelm, gschenkli etc. entwickelt haben, ist kurzweilig und unterhaltsam. Ich will diese Begriffe künftig auf Twitter als Hashtag nutzen. Viel gelacht. Wunderbare Droge, mit der Fantasie Achterbahn fahren. Beschwingt wie etwas einfach passiert, wenn die Lockerheit d.h. das Leben geniessen Platz hat.

Geldbezug ist eine Geschichte für sich. Mal geht er der Bankomat, mal streikt er. Für mich mehrheitlich im Streik und bringt meine Finanzen an die Grenze, da kein Bezug der Barmittel möglich ist. In der gesamten Zeit auf den Philippinen kann ich 2x den Bancomat bedienen. Ich kaufe Bildschirm mit Karte als Ausgleich, da Jürg das Hotel via Internet Kreditkarte bezahlt hat. Jetzt hat er einen wirklich grossen Bildschirm. Wir zählen Bargeld. Das Fest soll bezahlt sein. Bier. Fleisch. Getränke. Essen. Meine Unterkunft. Wir wägen ab, was wir kaufen, trinken, unternehmen. Obwohl…. beide hätten genug Geld. Leider auf dem Konto und so nicht zugänglich. Wenig vorstellbar für Schweizer, denke ich mir. Bevor ich es vergesse, ich konnte 1x Geld beziehen an einem Tag und hab gleich 3×200 das Maximum bezogen also ca. CHF 600

Ausgleich von leisten und geben ist Jürg wie mir wichtig. Denke das ist genau so ein Teil des Projektes. Mir ist es elementar, dass es ein Gleichgewicht von Geben und Nehmen gibt. Das vermisse ich immer mehr in der Schweiz. Will da einen Kontrapunkt setzen und trotzdem mein Einkommen sicherstellen. Ein Spagat.

Ich bin im Paradies. Da ich leidenschaftlich gerne Seitenwagen fahre und Total knapp 350‘000-400‘000km auf den verschiedenen Tachos habe. Gespanne heissen hier Tricyle und sind das Nahverkehrsmittel des kleinen Mannes. Geht auch für Grosse wie mich, wenn ich mich zusammenfalte und den Kopf einziehe. Seitenwagen zu Hauf. Etwas wenig Leistung und wenig gemacht für meine Reiseabenteuer wie: Winterfahrten (Schweden, Norwegen), 4‘000 – 7‘000 km lange Touren, Extrem Tagestour mit 1‘200km (Malvern GB – Muri b. Bern). Meine Gespanne:

  • Benzinmotor 1’380 – 2’000 cm
  • Dieselmotor 1’900 ccm (VW Caddy Automotor)

Die Ortskenntnisse der Tricycle Fahrer sind unterschiedlich ausgeprägt. Werden jedoch meistens mit Lachen quittiert. Fahrer fragt den Nächsten, der sagt irgendwas um sein Gesicht zu wahren und so wird der Tourist frisch fröhlich auf Stadtrundfahrt geschickt. Preis- verhandlung ist dito ein Thema für sich. In Legazpi gelten fixe Preise, je nach Stadtkreis. Trotzdem werden Preise von 60 bis 100 Philippine Pesos genannt. Offizielle Preis wäre 40 PP. Meinem persönlichen Tourguide ärgert und stinkt das gewaltig. Er will mir ein unvergessliches Abendessen ermöglichen und alles was wir tun ist Abendrundfahrt ohne Licht (Stromausfall). Entsprechend hoch ist der Frust und Ärger der sich bei Jürg anstaut. Am Ende gibt’s einen Whisky für mich und Rum für Jürg. Zum Abendessen werden wir im Hotel gemütlich Käse, Salami, Trockenwurst und Wein vertilgen. Dank eigenem WIFi Twittern, surfen und mal etwas konsumieren anstelle liefern. Im Hotel kennt Frau wie Mann uns: Die Käse-, Fleisch-, Wein-, Bier-, Twitter-, Schach-, Diskutierfraktion.

Übrigens ich habe allerhand von Jürg gelernt. Das mit dem Gemüseanbau ist wirklich eine Knacknuss. Habe mir das einfacher vorgestellt. Die Hartnäckigkeit wird in Kürze belohnt mit Blüten und erstem Gemüse. Obwohl fast am Verzweifeln. Dabei habe ich nie Bienen gesehen und das hat wieder mal was zu diskutieren ausgelöst. Wie weit sich meine Samen bewähren werde ich erfahren. Gemüse ist ein rares Gut in der Bicol Region.

Wenn ich morgens oder tagsüber durch die Strassen laufe ertönt von links, rechts, vorne wie hinten „Hello Kuya“. Die Freundlichkeit ist unschlagbar. Lachende Gesichter, blinzelnde Augen wie scheues Abwenden des Gesichtes. Wie heisst du? Um der nächsten Frage zu entgehen habe ich System Jürg Wyss übernommen. Man nehme 4 Namen von Bands oder Künstlern, reihe die aneinander. Fertig ist mein Name. Vorteil keiner fragt mehr nach Geld. Da im Kopf die Frage herumgeistert: wie hiess der Kerl gleich? Kompliziert. Und so ist das Hirn beschäftigt und die Frage nach dem Geld vergessen.

Die Menschen legen teilweise extrem Wert auf Ordnung und Sauberkeit und handkehrum gar nicht. Die Wege werden gewischt dito der Vorplatz. Die Schuhe bleiben draussen. Irgendwie ist öfters eine Ecke zu sehen, wie in Thailand, mit der Buddha Verehrung. Hier jedoch das Ganze für die katholische Kirche. Was mir auffällt, wie hilfsbereit die Menschen sind. Gleich nach dem Taifun ging das Leben seinen ordentlichen Gang. Wer in Not ist, dem wird geholfen. Das Leben leben ist hier gelebte Realität. Kein Spruch.

Als Zaldy meine Taschen näht ist meine Überraschung gross. Meine Alte aus Guatemala und Yucatanhalbinsel von 2006 ist eine einmalige Ausgabe. Die geschenkte Tasche aus Agadir 2016 findet er in kleinerer Ausgabe mit dem genau gleichen Muster beim Bier trinken. Von wegen Made in Marokko. Also doch Made in China.

Die Eigenarten von Eis produzieren. Kaufen. Lebensmitteleinkauf. Ja sogar Flipchartblätter kannst Du kaufen. So genanntes Manilapaper. Wir würden Packpapier sagen. Ist jedoch etwas dünner. Der Markt ist ein kunterbuntes Treiben von Ständen wie Kitsch as Kitsch. Oder (der) Gewürze, Gemüse 3-4 Sorten, Dessert wie Bonbon, einzeln verpackt. Die Läden sind wie in Afrika, kopieren und machen was der Nachbar macht, er verdient ja damit Geld. Da ist es doppelt schwierig, Neues zu entwickeln. Für Jürg geht es, da er vor Ort ist und mit dem Canvas ein herrliches Werkzeug hat.

Das Fest nach dem Taifun fällt beinahe ins Wasser. Es ist lange unklar wie es möglich wird. Was das Wetter macht. Oder ob der Taifun es mal wieder 3-5 Tage durchregnen lässt. Alles in allem Schwein gehabt. Das mit dem kühlen Bier haben wir ebenso hingekriegt wie den Plattfuss von Jürg und Jonathan beim Eis holen. Reparatur in Sekundenschnelle. Dito, wenn mir als Tricyle Driver das Benzin ausgeht, anhalten, fragen, kaufen (Petflasche), tanken und weitergeht es. Meine neue Zeitrechnung vor und nach dem Besuch: Variabel. Weniger penibel und doch schätze ich es, hier pünktlich Besuch wie Handwerker, ÖV etc. zu nutzen.

Lechon kann ich besser machen. Gelernt nach 16 Jahren Sau Grill Spass, mit einem V8 Grill Motor immer Samstag nach Neujahr. Habe den Eindruck gehabt, das Lechon sei zu schnell vom Grill gekommen. Da es noch mehrere Stunden nachziehen und das Ganze eventuell behandelt werden könnte, habe ich mein Misstrauen für mich behalten. Für mich war klar: die Sau ist nicht fertig. Der Lechonmacher hat auf die Cross gebratene Haut geklopft und voller Überzeugung mitgeteilt, dass das fertig sei. Ich natürlich nachgefragt, ob er die Temperatur mit einer Nadel oder Messer messen wolle um sicher zu sein, das hat er in den Wind geschlagen. Jeder tut was er kann. Am Abend waren sie nicht mehr da. Wieso hat mich das so wenig gewundert? Trotzdem ist das Fest mit den vielen Kindern, den Spielen, Erwachsenen aus dem Dorf, Nachbarn, Ladenbesitzern, Lehrern, Baranggay wie mir ein Erfolg. Die Ansprache von Jürg rührt mich zu Tränen, heisst überwältigt mich. Der Auslöser: Sein Glück, seine Begeisterung, seine Aussagen zu sich selber. Alles zusammen eine Offenbarung wie Versprechen. Er weiss, dass er weniger umziehen wird als bisher in seinem Leben. Dafür mehr am Fliegen ist um seine Söhne wie Lieben zu treffen.

Freue mich, wenn ich beim nächsten Mal vorbeischaue, die neue Küche und Kochkünste mit dem eigenen Gemüse zu geniessen. Was ich essen darf und Jürg gekocht hat ist ein Gedicht. Verwöhnprogramm. Wenn ich den Grill angebracht habe. Einzig mein(en) vieler Käse, den ich mitgebracht habe, nämlich keinen, hat mich genervt. Alles geht nicht. Dafür 50 Zigarren gehabt zum Rauchen. Eine Flasche Whisky und ein riesiges Sortiment an Samen zum Ausprobieren.

Wer weiss, vielleicht werde ich beim Fischen erfolgreich sein und was fangen. Dieses Mal nichts gefangen, keinem Walhai begegnet und 4h auf dem Meer herum geschippert. Dafür funkenwerfendes glühendes Plankton gesehen, das wie bei einem Schlitten der, über eine apere Strasse flitzt, an den Kufen leuchtet. Einmalig. Den Regenbogen von Anfang bis Ende doppelt zu sehen ein Erlebnis. Einfach abgefahren, das Fischen obwohl wir fast fanglos nach Hause gehen. So einen Mund voll Fisch haben wir gefischt.

Verrücktes wie Eigenarten der Donsol gehört zur Region Sorsogon

  • Leuchtendes Plankton wie Glühwürmchen – Beim Fischen erleben das Grösste
  • Doppelter Regenbogen habe ich 2x gesehen und ist keine Rarität
  • Reisanbau und die Ernte trocknen auf der Strasse mit und ohne Plane
  • Pili Nüsse sind der Knaller. Das Beste was ich an Nüssen kenne.
  • Lechon heisst Spanisch die Sau wenns mit Milch gefüttert wird = Spanferkel
    Hier heisst das Gericht auch so, wenn die Sau etwas grösser ist, Heu frisst
  • Eisfabrik gibt’s noch und es wird viel gekühlt mit Eis – Strom viel teurer
  • Grosse Mikrofaser Tücher nutzen Frau wie Mann um dem Schweiss Herr zu werden
  • Sicher heisst eher morgen vielleicht. Sicherheit bedeutet garantiert
    (Meine Übersetzung des Begriffes)
  • Distanzen werden in Kilometer gemessen und Höhen in Fuss
  • Uhrzeit lesen und gezählt wird Spanisch
  • Walhaie – Butanding der grösste Fisch der Erde – Donsol hat am meisten
  • Aktiver Vulkan Mayon
  • Generatoren-Hochburg auf Trottoir, da jeder KMU-Unternehmer einen besitzt
  • Eine Stromleitung von Manila bis Donsol betrifft ca. 8 Mio. Einwohner
  • Knapp 50‘000 Einwohner und rund 50 Baranggay (Dörfer),
  • Fläche 160km2, 304 Einwohner pro Km2
  • Toilette wird öfters im Meer verrichtet und Abfall gehört auf den Boden

Was habe ich von den Projekten gesehen oder teilweise dabei gewesen beim Aushandeln:

  • Tricyle Fahrer Zaldy, Näher, Übersetzer fast täglich begegnet
  • Jonathan der Oberschlichter, wenn es Zank gibt in der Umgebung von Jürg
  • Mobile Küche von Merly mit exzellentem Essen inkl. Besuch zu Hause bei ihrer Tochter. Habe ich dito mehrmals gesehen in verschiedenen Situationen erlebt
  • Internet Cafe Luisa habe ich 3x gesehen und Beratung mitbekommen
  • Baranggay Kapitän Privatbesuch mit anschliessendem Essen in Donsol
    (Sauberer Strand, Spielplatz, Einheimische kochen)
  • Selber mit Touristen bei Einheimischen essen gewesen. Grüne Bananen sind süss
  • Arme Schule ohne Bücher und Musikinstrumente
  • 2x selbst als Gast bei Einheimischen gegessen
    (du zählst da nicht mit deinen Kochkünsten Jürg.)
  • Hausbau sprich Ausbildungsstätte
  • Ace als Übersetzer sowie seine Freundin

An der Strasse was hinzukleben oder nur mit Internet zu machen schwierig. Es bedingt immer wieder Menschen, die mit anderen Menschen in Kontakt sind. Es ist viel wichtiger miteinander zu sprechen als Flyer, Emails oder SMS hin und her zu senden. Sie sitzen, lachen, schreien und spielen miteinander. Ruhig im eigentlichen Sinn ist es wenig, wenn mehr als 2 Menschen zusammen sind. Ausser Jürg und ich wollen uns anschweigen – Twittern.

Da erkenne ich eine Analogie. Im Kleinen machen was im Grossen funktionieren soll. Hier in Donsol ist es der einzige Weg, etwas verändern zu können. Obwohl sie die Medien Facebook etc. kennen. Handys sind präsent und werden gezeigt. Etwas weniger heftig als bei uns. Einzig, dass NutzerInnen oft mehrere Accounts haben (Familie, Freund…).

Denke, ich würde mich das wenig trauen, Alleine meinen Lebensmittelpunkt nach Donsol zu verlegen. Als Nebenbeschäftigung und so zu sagen in den Ferien mal etwas leisten, unterstützen etc. gerne wieder. Die Wirkung eines Besuches, der sich für das, was die Bevölkerung beschäftigt interessiert, ist famos. Es hilft den Projekten bekannt zu werden. Dem Besucher selbst, nützt es zu sich zu kommen, den eigenen Gefühlen und Gedanken nachzuhängen. Zu spüren was da ist. Ich kann diesen Zustand sofort durchbrechen, indem ich mich in Aktionitis und Besichtigungen stürze. Kein Fahrzeug zu haben hat mir geholfen.

Einen Sinn zum Leben erkennen oder wie Mensch glücklich werden, ist hier greifbar. Am Ende geht es darum der Gemeinschaft etwas zurückzugeben. Sei es Arbeit oder Geld. Je mehr ich meinem vis a vis helfe und nütze, umso mehr nützt es mir. Optimierungen der Steuern oder Finanzerträge ist ausserhalb jeglicher Überlegung. Es geht darum, das Wesentliche zu erarbeiten – Essen, Dach über dem Kopf, Schule der Kinder. Anhäufen kann hier kein Thema werden mit CHF 2 Tagesverdienst.

Gegen Schluss werde ich immer stiller. Meine Energie was zu unternehmen kleiner. Meine Art zu trauern, mich zu verabschieden oder Abschied zu nehmen, hat eingesetzt. Es waren wunderbare Stunden. Das Chaos mit zurückfliegen eine andere Geschichte und in weiter Ferne – noch unbekannt. Ebenso das Frieren.

Wer etwas wissen, klären oder fragen will macht das einfach. Ich gebe gerne Auskunft. Ich werde jederzeit wieder meinen „Zehnten“ einsetzen. Für mich ist klar, dass ich wieder auf Besuch gehe. 2018 könnte ich das planen und realisieren. 2017 habe ich andere Pläne.

Kontakt: Gerold Schlegel (Twitter)

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One Comment

  1. Wow, toller Bericht! Danke Gerold Schlegel! Ich freue mich immer, mehr über die Projekte meines Coach/Mentor/Freundes Jürg zu erfahren. So ein “hautnaher” Bericht ist phantastisch.

    Gruss, Peter

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