Der alte Mann und das Meer

Morgens um 4 ging es los. Mein Ausflug mit einem Fischer. Kuya Jonathan. Mittlerweile ein Freund. Ich wollte mal einen Sonnenaufgang auf dem Meer erleben. Und mal zuschauen, wie die Menschen hier fischen.


Donsol vom Meer aus - eines der Lichter gehört zu meinem Haus

Donsol vom Meer aus – eines der Lichter gehört zu meinem Haus

Jonathan schiebt das Boot durchs seichte Wasser - Morgens um 4

Jonathan schiebt das Boot durchs seichte Wasser – Morgens um 4

Ein paar Schritte bis zum Boot in seichtem Wasser. Ich wusste gar nicht, dass Shrimps fliegen. Im  Kegel des Lichts der Taschenlampen sprangen sie bis zu 30 Zentimeter aus dem Wasser und flogen ebensoweit übers Wasser. Bemerkenswert, für diese kleinen Dinger, kaum grösser als eine Wespe.


Warst Du schon einmal nachts in einem kleinen Fischerboot auf dem Meer? Zunächst ein mulmiges Gefühl. Doch je weiter wir uns von Ufer entfernten, desto mehr staunte ich, wie unser Auge auch in einer Nacht ohne Mond Schatten erkennen kann. Ab und zu tauchte neben uns ein anderes Boot auf. Wie Geisterboote. Denn trotz Dunkelheit sah man ihre Umrisse. Leider konnte ich das mit dem Fotoapparat nicht festhalten.


Umrisse eines Bootes

Umrisse eines Bootes – völlig überbelichtet und daher verwackelt – Auf einem Boot hilft halt auch ein Stativ nicht viel

Giftige Fische, die sich aufblähen, sobald man sie aus dem Wasser zieht

Giftige Fische, die sich aufblähen, sobald man sie aus dem Wasser zieht


Irgendwo, mitten im Meer, hielten wir an, warfen Anker und Jonathan begann, seine Fischerleine auszulegen. 50 Meter, alle 20 Zentimeter ein Haken mit einer der kleinen Shrimps dran. An einem Ende eine mit Sand gefüllte Cola-Flasche, die er in die Tiefe runter liess.  Mit mässigem Erfolg. Zunächst sechs oder sieben kleine Fischchen. Jedoch bissen viel kleine Fische an, die sich aufblähten, sobald sie aus dem Wasser gezogen wurden. Wie ich lernte, giftige Fische, sofern man sie essen würde. Übrigens sorry für das schlechte Foto, ich wollte sie Dir aber zeigen.

Ein anderes Boot fuhr an uns vorbei. Die hatten mehr Glück. 2 grosse Yellow Tail Tunas hatten sie gefangen, jeder etwa 15 Kilo. Das bringt ihnen rund 4500 Pesos. Jedem der drei Fischer knapp 30 Franken . Ein guter Fang heutzutage. Als Dank für ihr Glück überliessen sie Jonathan einer der grösseren Fische, den er später auf dem Markt verkaufen wird.

Zwei Yellow Tail Tuna - jder etwa 15 Kilo

Zwei Yellow Tail Tuna – jder etwa 15 Kilo

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Einem geschenkten Fisch schaut man nicht ins Maul – Ein Geschenk der glücklichen Fischer

Magerer Fang

Die vorerst sehr magere Ausbeute

Farbige Fische

Nicht gross aber farbig

 

 

 

 

 

 


Die Leute im grösseren Boot fischten mit Netzen. Auf meine Frage, wieso er kein Netz benutze, sagte Jonathan, dass sie mit Netzen nur nachts fischen würden. Sobald es hell werde, fange man damit keine Fische mehr. Wieder etwas gelernt.

Auf dem Weg zum nächsten Fischplatz wurde es hell. Nicht gerade den Sonnenaufgang, auf den ich hoffte. Am Horizont hatte es dunkle Wolken. Dennoch war es eine sehr spezielle Atmosphäre, ein spezielles Licht, das in meiner Erinnerung besser bleibt, als ich es mit der Kamera einfangen konnte.

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Mir wurde klar, dass ein Filipino hingehen kann wo er will, er trfft immer auf einen Verwandten. Wir trafen Jonathans Cousins, Verwandte seiner Frau und ankerten schlussendlich in der Nähe des Ruderboots seines Onkels, das wir später im Schlepptau mit nach Hause zogen.

Hier lief es für Jonathan ein wenig besser. Schlussendlich konnte er 2 Kilo kleine Fische fangen, die ihm rund 120 Pesos bringen werden. Etwas mehr als 2 zwei Franken. Eine fünfköpfige Familie kann damit nicht ernährt werden.


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Jonathans Onkel im Schlepptau

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Wenig für Jonathans 8-Studen-Tag: Zwei Kilo Fische

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Donsol bei Tageslicht auf dem Heimweg für mich sechs tolle Stunden, die ich nie vergessen werde


Ein mickriger Lohn für sechs Stunden auf dem Meer und rund 2 Stunden Vorbereitung. Ein paar hundertmal die Leine einziehen, Fisch nehmen, Leine wieder eintauchen, ständig in Bewegung halten, und dreimal einen Haken aus der Haut rausziehen.

Wie so oft stellte ich mir die Frage, wieso kann ein Fischer nicht soviel Geld verdienen, dass er damit eine Familie ernähren kann? Wieso kann es ein Reisbauer nicht? Wieso bezahlen wir in unseren Läden trotzdem soviel für Essen?

Wie auf Kommando wechselten plötzlich alle Fischer die Bootsseite. Warum das denn, fragte ich. Die Strömung hat gewechselt, die Ebbe kommt, war Jonathans Antwort. Klar, die Fischerleine, die senkrecht ins Wasser taucht, blieb so immer am Boot hängen.

Um 9 Uhr meinte Jonathan, die Fische hätten fertig gegessen, wir könnten umkehren. Ist das wirklich so, fragte ich. Ja, die Fische würden nur zu bestimmten Zeiten fressen. Der Fischtag sei vorbei.

Um 10 Uhr wattete ich bei Ebbe fast einen Kilometer durch das seichte Wasser zurück zu meinem Haus. Mit tollen Erinnerungen an einen unvergesslichen Morgen. Schöner als die Fotos ees zeigen können.

Ich watete mitten duch grüne, blaue, schwarze, weisse Quallen. Ein deutliches Zeichen, dass der „Butanding“, der Walhai bald komme, sagte Jonathan. Zumindest diesbezüglich sind sich nicht alle Fischer einig. Andere sagten mir nämlich, dass der Walhai nicht komme, wenn es zu viele Quallen hätte.

Bald beginnt die Saison. Ich hoffe, dass ich Euch dann von einem nächsten Ausflug aufs Meer berichten kann. Inklusive Fotos eines Butanding. Drückt mir die Daumen.

 

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